Folge 34: 40 Jahre Edition Zeitgenössische Musik

Shownotes

Die Edition Zeitgenössische Musik (EZM) feiert 2026 ihren 40. Geburtstag! Mit den Porträt-Alben der Reihe fördert das Projekt Podium Gegenwart seit 1986 Komponist:innen neuer Musik aus Deutschland. Aus diesem Anlass blickt Musikjournalist und Autor Friedemann Dupelius auf die Geschichte der Edition zurück und lässt die zu unterschiedlichen Zeiten geförderten Komponistinnen Charlotte Seither, Carola Bauckholt, Eloain Lovis Hübner und Anda Kryeziu zu Wort kommen: Was bedeutet die Produktion eines individuellen Porträt-Album für die eigene Karriere? Welche Erfahrungen haben sie mit der Förderung gemacht?

Die Reihe bietet mit den über 125 beim Label WERGO veröffentlichten CDs einen Wissensspeicher aus Klang und spiegelt die verschiedenen Strömungen und Entwicklungen der zeitgenössischen Musik der letzten 40 Jahre. So wie die Musik stetig nach Neuem sucht, passt auch die Edition ihr Förderangebot fortwährend an. In die fünfte Dekade startet sie mit einem neuen Format: Booklet plus Musik per QR-Code - und geht so auch medial mit der Zeit! Charlotte Seither – Alleanza d'archi Matthias Leupold, Violine · Henrik Schaefer, Viola · Mattias de Oliveira Pinto, Violoncello

Eloain Lovis Hübner – Trauma und Zwischenraum 2 Arditti Quartet Eloain Lovis Hübner – Untitled Auditiv Vokal Dresden

Anda Kryeziu – Kreiswanderung im Raum Victor Barceló (Percussion)

Carola Bauckholt – Treibstoff Mitglieder des Thürmchen Ensemble

Eloain Lovis Hübner – Trauma und Zwischenraum 3 Lange//Berweck//Lorenz

Anda Kryeziu – Infuse: Playtime Ensemble Recherche

Transkript anzeigen

Transkript Folge 34

Gemeinsam für Musik. Der Podcast des Deutschen Musikrats.

Folge 34 – 40 Jahre EZM (EDITION ZEITGENÖSSISCHE MUSIK) von Friedemann Dupelius

FD: Hallo und herzlich willkommen, zu 'Gemeinsam für Musik', dem Podcast des Deutschen Musikrats. Ich bin Friedemann Dupelius (FD), Journalist und Autor mit einem Schwerpunkt auf der zeitgenössischen Musik - und da sind wir schon direkt beim Thema dieser Podcast-Folge. Denn 2026 feiert die Edition Zeitgenössische Musik ihren 40. Geburtstag. Das ist die CD-Reihe, die der Deutsche Musikrat gemeinsam mit dem Label Wergo herausgibt. Und als gebürtiger Schwabe weiß ich um die Bedeutung dieses Jubiläums. 'Mit 40 wird der Schwab erst gescheit', sagt man bei uns. Was aber bedeutet diese Zahl für die Edition Zeitgenössische Musik?

Doch fangen wir vorne an. Olaf Wegener (OW) ist der Projektleiter der Edition Zeitgenössische Musik und er erzählt über die Anfänge.

OW: Die Edition Zeitgenössische Musik ist 1986 gegründet worden als Nachfolgeedition der damals noch Schallplattenreihe „Zeitgenössische Musik in Deutschland“. Das war eine Edition, wo von verschiedenen Komponisten verschiedene Werke jeweils in einer Schallplattenkassette präsentiert wurden. Also heute würde man sagen Sampler, Collection oder wie auch immer. Da wurde dann das ganze Nachkriegsszenario abgearbeitet. Es war eben eher eine Mischung aus verschiedenen Stücken, die für verschiedene Richtungen standen, beziehungsweise die für neue Musikentwicklung in Deutschland standen. Und dann hat man sich 1986 überlegt, dass das eigentlich in dieser Form nicht mehr zeitgemäß ist, beziehungsweise dass man halt bis zu einem bestimmten Punkt nun die zeitgenössische Musik dokumentiert hat und dass es jetzt mehr Sinn macht, Komponistenporträts erstellen zu lassen, zu produzieren.

FD: Seit 1986 sind über 120 CDs in der Reihe Edition Zeitgenössische Musik, kurz EZM, entstanden. Im Schnitt sind das also 3 bis 4 pro Jahr. Die Idee dahinter ist bis heute dieselbe: Junge Komponist:innen, die in Deutschland leben, sollen mit einer CD porträtiert und gefördert werden. Dafür erhalten sie die Möglichkeit, ihre Musik professionell aufzunehmen. Sina Miranda (SM) koordiniert die Projekte der EZM. Sie erklärt.

SM: Die sollen zum einen sich mit der Musik präsentieren, die sie möchten, und zum anderen sollen sie aber auch so eine Art Gesamtpaket bekommen. Und wir verstehen die Porträtalben, die wir produzieren, als eine Art musikalische Visitenkarte. Zu dieser musikalischen Visitenkarte gehört auch natürlich die Gestaltung. Es gehört dazu, dass man sich eine Autorin, einen Autoren aussuchen darf, der über die eigene Musik schreibt. Es gehört aber auch noch dazu, das machen wir seit ein paar Jahren, mit all unseren Komponist:innen einen Porträtfilm, wo sie eben auch noch mal etwas erzählen können in einem Interview.

FD: Die EZM hat noch ein anderes Ziel. Sie will aktuelle Tendenzen im Komponieren der Gegenwart aufzeigen. Über die 4 Jahrzehnte hinweg ist somit auch ein Zeitdokument entstanden. Man kann auf jeden Fall sagen, in diesen 40 Jahren ist da etwas Gescheites entstanden, ein Wissensspeicher aus Klang.

CS: Ich kann mich sehr gut erinnern an die erste Begegnung mit dieser CD-Reihe. Das war in Hannover in der Musikhochschule, in der Hochschulbibliothek. Ich war Studierende. Diese CD-Reihe war sehr

prominent da platziert und ist aufgefallen. Die hatte ein ungewöhnliches Design mit orangener Farbe, mit Kreisen, mit geometrischen Mustern.

FD: Das sagt die Komponistin Charlotte Seither (CS).

CS: Die CD war schon anders als alles andere, was da stand. Man hatte schon das Gefühl, es ist wichtig, es ist bedeutend und es bildet die Gegenwart ab. Ich fand das sehr spannend.

FD: 2001 bekam Charlotte Seither dann selbst die Chance, eine CD für die Edition Zeitgenössische Musik aufzunehmen.

25 Jahre nach Charlotte Seither hat auch die Komponistin Eloain Lovis Hübner (ELH) eine Porträt-CD für die EZM aufnehmen dürfen. Auch in ihrer Biografie hat die Reihe schon davor eine wichtige Rolle gespielt.

ELH: Für mich war das immer.. ja… eine wichtige Referenz, auch um neue Musik kennenzulernen, einfach. Also, ich hab ja studiert oder zumindest mein Studium angefangen, noch in einer Pre-Spotify-Zeit und auch in einer Zeit, als neue Musik jetzt nicht so ohne Weiteres im Internet verfügbar war, auch auf YouTube noch nicht so viel vertreten war. Das heißt, ich hab schon irgendwie auch viel Zeit in Hochschulbibliotheken verbracht, um da irgendwie CDs zu suchen und zu hören. Und da kann ich mich schon erinnern, dass die EZM-CDs immer eine wichtige Quelle waren. Also auch die frühen, ne, nicht die, nicht nur die jetzt die neueren, sondern auch die aus den 80er Jahren, dass ich da viel, viel gehört hab.

FD: Seit 2026 ist Eloain Lovis Hübner nun selbst in den Bibliotheken von Musikhochschulen zu finden. Im März erschien ihre CD mit dem Titel 'Crunch' in der EZM.

Für die CD 'Crunch' hat Eloain Lovis Hübner sechs Stücke ausgewählt. Drei davon bilden einen Zyklus mit dem Titel 'Trauma und Zwischenraum'.

ELH: Also, es sind drei sehr unterschiedliche Kammermusikkonstellationen. Da war dann irgendwie klar, OK, das hat sich irgendwie als so ein Zyklus, der ist geschlossen, der hat sich irgendwie so ein Stück weit ausgereizt und war bereit, um irgendwie als so eine Rückschauhälfte sozusagen auf das Album zu kommen. Und das andere war dann eben zu sagen, die andere Hälfte soll bestritten werden durch Stücke, die für mich in dem Moment als die finale Tracklist eingetütet werden musste, sehr aktuell waren, wo ich gesagt habe, das sind Ensemblestücke, die stehen in dem Moment sehr repräsentativ für das, was mich interessiert, wofür ich stehe als Komponistin. Deswegen möchte ich sie gerne drauf haben. Und klar war aber auch, es muss irgendwie ein Stück Vokalmusik drauf kommen, weil das irgendwie so zentral in den letzten Jahren gewesen ist für mein kompositorisches Arbeiten

FD: Wer eine CD für die EZM zusammenstellt, steht vor einer grundsätzlichen Frage: Will ich einen möglichst breiten Überblick über mein Schaffen zeigen oder fokussiere ich mich lieber auf einen bestimmten Aspekt - zum Beispiel eine bestimmte Besetzung, eine Werkgattung oder auf einen bestimmten Zyklus? Bei Hübner ist es eine Mischform aus beiden. Projektkoordinatorin Sina Miranda weiß aus Erfahrung:

SM: Ganz oft ist es so, dass die Komponis:tinnen sagen: 'Ich möchte mein Schaffen in der vollen Breite zeigen.' Also wirklich klein besetzte Werke oder auch groß besetzte Werke oder von Elektronik über Symphonik, also wirklich ganz breit gefächert. Das ist ganz unterschiedlich.

FD: Auch Anda Kryeziu (AK) hat das in ihrer CD gemacht. Die ist im Sommer 2026 erschienen.

AK: Für mich war eigentlich auch interessant zu sagen, dass diese Heterogenität meiner Arbeit ist schon irgendwie ein Thema auch und dass diese Fragmentierung von meiner Tätigkeit ist schon in sich selbst so.. so.. eine Art Thema und Entscheidung. Das in sich selbst ist eigentlich ein Aspekt, das ich gerne darstellen wollte, dass es geht um um ganz, ganz verschiedene Welten, die dann zusammenkommen und zusammenstoßen und klatschen und daraus kommt das, was was… ich eigentlich als Prozess sehe und nicht als Endprodukt.

CS: Ich persönlich finde die CDs eigentlich auch am spannendsten, die am buntesten sind. Also wo man ganz unterschiedliche Interpreten hat, wo vielleicht auch ein Solostück dabei ist, wo ein Orchesterstück dabei ist und das jetzt gar nicht nur so monochrom von einem Ensemble ist und dass man sich als Komponist, als Komponistin auch in der Breite und in den verschiedenen Seiten, die man auch hat, zeigen kann, ganz klar.

FD: Charlotte Seither ist nicht nur Porträtkomponistin der EZM, sie gehört auch zum Beirat der Reihe. Der besteht aus elf Mitgliedern, Mitgliedern, und er funktioniert wie eine Jury. Einmal im Jahr entscheidet er, welche drei bis vier Komponistinnen als nächstes mit einer Veröffentlichung in der EZM gefördert werden.

CS: Wir haben ja in jedem Jahr so zwischen Mitte 50 und 70 Bewerbungen, und ich finde es jedes Jahr großartig zu sehen, wie breit das Spektrum ist der Leute, die sich bewerben. Es sind immer wieder auch Leute dabei, die man gar nicht kennt oder auf die man noch gar nicht gestoßen ist.

FD: Nach welchen Kriterien entscheidet der Beirat, wer für eine Förderung mit der EZM in Frage kommt. Das erklärt Carola Bauckholt (CB), die Vorsitzende des Beirats:

CB: Ich muss das Gefühl haben, dass ich mit einer ein künstlerisches Individuum spüre. Also, wie auch immer, das Gefühl haben, da ist etwas Authentisches und ein Ich. Und das kann man anhand der Partituren sehen, das kann man hören. Das ..das äußert sich ganz verschieden.

CS: Trauen wir demjenigen, derjenigen zu, sich wirklich auch langfristig zu entwickeln? Und ist es eine Persönlichkeit, der wir gerne zuschauen und die wir in zehn Jahren auch noch hören wollen? Es muss eine Figur sein, bei der man spürt, da ist jemand, der will was, der hat was zu sagen, der sucht. Und es ist eine Persönlichkeit, die setzt einen ganz eigenen Blick auf die Welt und zeigt uns, in irgendwelchen Dingen, dass sie auch die Kraft hat, diesen eigenen Blick auf die Welt intensiv weiter in die Welt hineinzutragen. Und das interessiert uns.

FD: Wenn man sich die Liste der über 120 porträtierten Komponist:innen seit 1986 ansieht, dann stellt man fest: Fast alle davon haben das Musikleben danach über Jahre und Jahrzehnte geprägt. Sie waren und sind erfolgreiche Komponist:innen. Viele wurden später auch Professor:innen. Ist die EZM also das ultimative Sprungbrett für die Karriere? So erinnert sich Carola Bauckholt, Porträt-CD-Jahrgang 1997.

CB: Also für mich war das einschneidend in der Bedeutung und deswegen engagiere ich mich auch bis heute für die Edition Zeitgenössische Musik, weil ich damals eigentlich so eher als performative Künstlerin, also aus der Kagel-Klasse kommend, gegolten habe und dort zum ersten Mal tatsächlich rein musikalisch wahrgenommen wurde.

FD: Charlotte Seither schätzt den Effekt einer EZM-CD so ein:

CS: Ich glaube, man darf es nicht überschätzen, aber auch auf gar keinen Fall unterschätzen, was die CD für eine junge Komponistin, für einen jungen Komponisten bewirkt. Das ist schon noch so eine Art Ritterschlag. Der Deutsche Musikrat hat da schon eine Autorität, wen er auswählt und -spricht und sich für eine junge Komponistin, für einen jungen Komponisten entscheidet. Für mich war ganz entscheidend, dass es tatsächlich den Zugang zum Rundfunk geschaffen hat. Diese CD liegt ja dann vor bei den Rundfunkanstalten, sie ist im Archiv und dann passiert schon, dass einzelne Werke daraus gesendet werden und zwar über mehrere Jahre über langfristige Zeiträume hinweg.

FD: Allerdings haben sich die Zeiten geändert. Insgesamt ist es schwieriger geworden, sich nachhaltig in der neuen Musik als Komponistin zu etablieren. Und manche Karrieren beginnen schon oft vor einer Veröffentlichung in der EZM, zum Beispiel die von Anda Kryeziu.

AK: Ich bin nicht jetzt „famous“ geworden, deswegen, aber ja, ich bekomme ganz oft so Rückmeldungen, dass jemand auf Bandcamp gestoßen ist und das gehört hat. Oder sie checken das Booklet und schauen die Videos und so. Aber das Beste ist, dass ich sozusagen ein konzentriertes Portfolio daraus habe, aber wirklich ein Portfolio, weil man sieht wirklich so ganz viele Aspekte meiner künstlerischen Tätigkeit und ich kann niemanden das auf der Hand drücken.

ELH: Die Auffindbarkeit der Aufnahmen im Internet, die ist schon… ist schon wichtig. Und dass man dann auch Aufnahmen hat, die wirklich richtig gut produziert sind, nicht mit, weiß ich nicht, wie man das oft hat, sondern irgendwie so ein Zoom Mitschnitt, den man dann irgendwie hinterher noch versucht zu optimieren und da stimmt dann halt schon alles. Und da kann man irgendwie auch guten Gewissens sagen, so das ist, wie es klingen soll, so das ist das, was ich komponiert habe und so soll es klingen.

FD: Egal mit wem man spricht, Wer einmal eine CD für die Edition Zeitgenössische Musik aufnehmen durfte, schwärmt von den Bedingungen, die man hat, wenn man in den Studios des Deutschlandfunk aufnehmen darf, mit top versierten Ensembles und unter hochklassigen Bedingungen, die es sonst nur selten gibt. Eloain Lovis Hübner nahm gleich vier der sechs Stücke für ihre CD 'Crunch' dort neu auf, mit dem Arditti Quartett, dem Ensemble airborne extended, mit dem Trio Lange//Berweck//Lorenz und dem Ensemble AuditivVokal Dresden.

ELH: Und das war schon was, was wir in dieser konzentrierten Aufnahmesituation sehr, sehr gut ausspielen konnten, irgendwie, ne. Man hat so sehr intime Spielsituationen, würde ich mal sagen, also wirklich sehr kammermusikalische, sehr feine, wo es auch viel um … ja, um so kammermusikalische Abstimmung und Kommunikation geht. So diese Situation, wirklich alleine für sich als Ensemble ganz konzentriert im Raum zu sein, das ist diesen kammermusikalischen Stücken, würde ich sagen, extrem entgegengekommen. Und ich finde, das hört man den Aufnahmen auch an, ne? Also dass man dann auch, das haben wir auch dann absichtlich gemacht, die wirklich sehr, sehr, sehr nah, sehr differenziert zu mikrofonieren.

FD: 40 Jahre Edition Zeitgenössische Musik, darum geht es in dieser Podcastfolge von 'Gemeinsam für Musik'. Zwischen 1986 und 2026 hat sich natürlich eine Menge verändert, nicht nur in Deutschland und in der Welt überhaupt, sondern natürlich auch in der Musik. An der CD-Reihe vom Deutschen Musikrat und Wergo kann man nachvollziehen, wie sich das Komponieren mit den Jahrzehnten verändert hat. Die EZM entstand in einer Zeit, in der sich viele Ensembles gründeten, das Ensemble Modern, das Ensemble Recherche oder die Musikfabrik. Das hat der EZM viele Einspielungen erst möglich gemacht. Ein goldenes Zeitalter der neuen Musik wurde damals besungen und gleichzeitig glaubte man immer weniger an den unaufhaltsamen Fortschritt der Musik. Und spätestens in den

1990ern auch immer weniger daran, dass neue Musik etwas in der Welt verändern könnte. Doch die Musik veränderte sich - vor allem nach der Jahrtausendwende. Neue Medien hielten Einzug, immer mehr Stücke beziehen Elemente wie Video oder Performance mit ein und die Elektronik ist allgegenwärtig geworden. Die Grenzen zwischen verschiedenen Musikstilen oder zwischen Hochkultur und Popkultur, die sind längst verwässert. In den letzten Jahren setzen sich Komponistinnen vermehrt mit der künstlichen Intelligenz auseinander oder sie arbeiten stärker kollaborativ und weniger hierarchisch. Und noch zwei Dinge haben sich verändert: In den ersten 10 Jahren waren unter den 32 porträtierten Komponist:innen gerade mal zwei Frauen und in den folgenden 20 Jahren nicht viel mehr. Mittlerweile aber ist der Anteil zwischen männlichen und nicht-männlichen Komponist:innen ausgeglichen und es gibt sogar Jahrgänge ganz ohne einen männlichen Vertreter. Im Sommer 2026 hat sich die Edition Zeitgenössische Musik dann von dem Medium verabschiedet, das in den 1980er Jahren das Nonplusultra war, die CD. Damals versprach sie lupenreinen Klang, wie geschaffen für die akustischen Details der neuen Musik.

CB: Aber es ist einfach ein Fakt, dass viele Menschen keinen CD-Player mehr haben. FD: Eloain Lovis Hübner hat die vorletzte CD in der EZM gespielt.

ELH: Das ist interessant, ne? Ich hab ganz viel auch gesprochen mit Leuten irgendwie über diesen Wert dieser CD., die man dann irgendwie ins Regal sich stellt und auf Spotify anhört. Das ist auch ein bisschen ein bisschen kurios und widersprüchlich.

FD: Anda Kryzeiu ist die zweite Komponistin, die im neuen Format der EZM veröffentlicht und dabei nutzt sie gleich die neuen Möglichkeiten, die sich damit auftun.

AK: Also, die sind Werke mit Video, wo ich das Video gedreht habe und das Video ist thematisch sehr wichtig für die Stücke oder installative, immersive Stücke wie Tilde oder meine Oper. Aber es gibt auch eine andere Link auf Bandcamp, wo man zwei andere Stücke von mir, die nur als Audio sind, hören kann. Ich finde das eigentlich toll, dass alle diese ganz verschiedene Wege dann zusammenkommen zu diesem Booklet.

FD: Mit dem neuen Format Booklet plus QR-Code hat sich die Edition Zeitgenössische Musik an die neuen medialen Bedingungen angepasst und damit bleibt sie, wie es ihr Name schon sagt, zeitgenössisch. So geht es weiter in die fünfte Dekade einer Reihe, die live an der Musikgeschichte mitschreibt. Die Zukunft können natürlich weder eine KI noch wir voraussehen. Dass es so einige Hürden für die zeitgenössische Musik geben wird, das steht wohl fest. Da ist es gut, dass die EZM schon seit vielen Jahren nicht nur eine CD-Reihe ist. Das Projekt Abenteuer Neue Musik zum Beispiel bringt die Porträtkomponist:innen mit Schulklassen zusammen und sorgt also für das Publikum von morgen. Wer jetzt gleich weiter hören will, kann gern auf die Webseite der EZM gehen, unter Podium Gegenwart.de

Ich sage danke fürs Zuhören und bis bald bei "Gemeinsam für Musik".

Neuer Kommentar

Dein Name oder Pseudonym (wird öffentlich angezeigt)
Mindestens 10 Zeichen
Durch das Abschicken des Formulars stimmst du zu, dass der Wert unter "Name oder Pseudonym" gespeichert wird und öffentlich angezeigt werden kann. Wir speichern keine IP-Adressen oder andere personenbezogene Daten. Die Nutzung deines echten Namens ist freiwillig.