Folge 31: Deutscher Musikwettbewerb 2026
Shownotes
Der Deutsche Musikwettbewerb 2026, der nationale Wettbewerb für klassische Musik des Deutschen Musikrats, fand im März in Bonn und Köln statt. 91 Solist:innen sowie 6 Ensembles durften sich der Jury präsentieren, die aus 30 Mitgliedern, größtenteils Professorinnen und Professoren der deutschen Musikhochschulen bestand. Der Wettbewerb war ausgeschrieben für die Kategorien Akkordeon, Fagott, Klarinette, Saxophon, Gesang, Kontrabass, Violoncello, Ensembles in freier Besetzung, Streichtrio, Streichquartett, Klavierpartner:in und Komposition für Violine solo.
Die Preisträger des Deutschen Musikwettbewerbs 2026 sind der Cellist Constantin Heise und der Klarinettist Joscha Kremsler. Den Kompositionspreis des Deutschlandfunk erhielt Pedro Rosenthal Campuzano für seine Sonate für Violine solo. Insgesamt wurden Preise im Gesamtwert von rund 30.000 Euro an die Preisträger und die insgesamt 16 Stipendiatinnen und Stipendiaten sowie weitere Sonderpreisträger:innen vergeben. Die Einzigartigkeit des Deutschen Musikwettbewerbs liegt darüber hinaus in der umfangreichen Förderung im Anschluss an den Wettbewerb, darunter in der Vermittlung von bis zu 250 Konzerten pro Jahr (Kammerkonzerte & Solokonzerte mit Orchester) und der Produktion einer Debüt-CD beim Leipziger Label GENUIN in Kooperation mit Deutschlandfunk/ Deutschlandfunk Kultur.
Julia Kaiser hat den Deutschen Musikwettbewerb begleitet und die Preisträger:innen und Stipendiat:innen getroffen.
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Transkript Folge 31
Gemeinsam für Musik. Der Podcast des Deutschen Musikrats.
Folge 31- Der Deutsche Musikwettbewerb von Julia Kaiser (JK)
JK: Zwei Preisträger, 19 Stipendiatinnen und Stipendiaten, aber weder Luftballons noch Champagnerkorken. Zum 50. Mal fand der Deutsche Musikwettbewerb in diesem Jahr statt und feierte das Jubiläum mit Absicht - nicht. Denn die Ehre gebührt immer den frisch gekürten und jeder Wettbewerbsjahrgang ist für die Teilnehmenden ihr erster, sagt die Leiterin des Bereichs Wettbewerbe beim Deutschen Musikrat, Irene Schwalb (IS).
IS: Das ist ja wirklich was ganz Äußerliches, in das ich persönlich auch keinen wertvollen Euro stecken würde, sondern lieber jeden Euro in die Förderung.
JK: Meilensteine in 50 Jahren waren eher Veränderungen, die das Profil des Deutschen Musikwettbewerbs geschärft haben.
IS: Das werde ich nie vergessen, 2017 haben wir die erste Carte Blanche eingeführt, 2019 glaube ich, das erste Mal Akkordeon, 2017 das erste Mal Blockflöte. So, das sind so Jahre, die sich mehr einprägen. Aber dass das jetzt das fünfzigste Mal ist, das ist das ist schön und wichtig, aber verändert ja nicht wirklich was im Kern. Hat ja nichts mit dem Charakter dessen zu tun, was wir machen.
JK: Der Deutsche Musikwettbewerb ist am Puls des Geschehens an den Musikhochschulen und des Musiklebens unserer Zeit. Dies zu feiern, ist schon in der Vielfalt der in diesem Jahr ausgezeichneten 19 Stipendiatinnen und Stipendiaten gelungen.
IS: Darauf bin ich ein bisschen stolz. Also Akkordeon oder auch Blockflöte zum Beispiel abzubilden, seit ich da bin, ist wichtig, weil wir das ja zeigen wollen, was an den deutschen Hochschulen auch passiert. Wir haben diesen Abend gestern, dieses erste Konzert, ganz bewusst mit Akkordeon Solo begonnen. Da hab ich mir was bei gedacht, weil es genau darum geht. Also nicht kommt 'ne Geige sofort oder 'n Klavier, sondern ein Akkordeon Solo spielt ein neues Werk. Das war das, womit ich starten wollte, und ich wollte auch bewusst enden mit einem Ensemble mit klassischer Musik, um diesen Bogen genau zu schlagen.
JK: Eines der Stipendien des Deutschen Musikrates hat die Akkordeonistin Ronja Mirandolina Ramisch (RMR) gewonnen. Nicht nur ihre instrumentalen Fähigkeiten, auch ihre Ausstrahlung überzeugte die Jury. Zu ihrer Musikerpersönlichkeit gehört auch ein darstellendes Element.
RMR: Wenn man so früh anfängt, wird es so Teil der Identität, auch die Bewegungsabläufe, alles. Meine Eltern sind beide Schauspieler. Dadurch hab ich sehr, sehr früh auch schon mit auf der Bühne gestanden mit so einem kleinen Instrument damals und hab immer mit begleitet die Schauspielstücke. Es gehört einfach total zu mir, Theater. Ich mach auch momentan viele Produktionen am Theater, im Staatstheater in Saarbrücken und an meinem Frankentheater. Da ist auch eine ganz große Bühne und da bin ich jetzt seit dieser Spielzeit. Das macht mir mega Spaß und dann dachte ich, ja, das passt perfekt, das gehört so zu mir, das muss ich unbedingt auf die Bühne bringen, ja.
JK: Genau solche individuellen Besonderheiten wertzuschätzen, das ist die Aufgabe der Gesamtjury in der dritten Wettbewerbsrunde - der sogenannten Carte Blanche, bei der die Musikerinnen und Musiker ein eigenes Programm präsentieren, erklärt der Beiratsvorsitzende des Deutschen Musikwettbewerbs, Oliver Wille (OW). 2 Wettbewerbsrunden lang bewerten Fachjurys die jeweiligen spieltechnischen Leistungen. In diesem Jahr war das in den Kategorien Akkordeon, Fagott, Gesang, Klarinette, Klavierbegleitung, Saxophon, Kontrabass, Violoncello sowie Klavierquartett und Ensembles in freier Besetzung. Ab der dritten Runde müssen die Teilnehmenden dann alle Jurorinnen und Juroren gemeinsam von ihrer Musikerpersönlichkeit überzeugen.
OW: Nach den ersten beiden Runden in den Fachjurys beginnt der Wettbewerb von vorn. Das heißt, für mich ist eigentlich das Schwierigste und das Beeindruckendste, dass sie sich in dieser Konzentration von Jurys durchsetzen, mit ihrem Können, mit ihrem technischen instrumentalen Können, aber vor allen Dingen auch mit ihrer zwingenden Musikalität und mit ihrer Fähigkeit, sich in die Herzen zu spielen.
JK: Schwer zu vergleichende musikalische Stimmen begegnen sehr unterschiedlichen Perspektiven. Gemeinsam haben die Jurorinnen und Juroren nur, dass sie alle schon mit dem Deutschen Musikwettbewerb in Berührung gekommen sind. Die Violoncellistin Maria Kliegel (MK) aus Essen war die Preisträgerin des allerersten Wettbewerbs.
MK: Das ist jetzt schon 51 Jahre her. Inzwischen Das hat natürlich mein Leben auch geprägt. Damals waren Wettbewerbe noch nicht so wie Sand am Meer wie heutzutage. Aber was ebenso sehr sinnvoll ist bei so einem Wettbewerb, dass man die Möglichkeit bekommt, auf der Bühne sich zu bewegen und auf der Bühne zu reifen. Denn der Musikrat hat damals schon auch zu meiner Zeit als Preis eben, das hieß damals Konzerte junger Künstler, uns Möglichkeiten gegeben aufzutreten.
JK: Unbedingter musikalischer Wille und Unbekümmertheit halten sich im Mikrokosmos Deutscher Musikwettbewerb die Waage und paaren sich mit Neugier auf bisher unentdecktes Repertoire und neue musikalische Partnerinnen und Partner. Gleich bei den Preisträgerkonzerten geht es damit los. Einige Solistinnen und Solisten stehen nach der Ergebnisbekanntgabe ohne Klavierbegleiter da, weil diese schon abgereist sind. So geht es auch der Mezzosopranistin Marlen Bieber (MB). Spontan springt ihr Florian Albrecht zur Seite, der im Fach Klavierbegleitung ein Stipendium erhält:
MB: Also, wir kennen uns ja jetzt seit einer Stunde, aber er ist wahnsinnig agil. Also, im Spiel und im Hören und Reagieren bin ich sehr glücklich mit. Das ist natürlich super, wenn man dann so jemanden hat, der so schnell wirklich reagieren kann, wenn man so wenig Zeit auch hat, sich aufeinander einzustimmen.
JK: Nicht nur als Lied Begleiter begeistert Florian Albrecht (FA) das Publikum des Preisträgerkonzertes, auch als Kammermusiker im Duo mit dem Fagottisten Tobias Reykow (TR).
TR: Ja, dafür, dass wir uns heute kennengelernt haben, macht es sehr viel Spaß, sehr schön.
FA: Auf jeden Fall. Also, ich habe einfach sehr viel Lust auf die Farbe des Fagotts. Das ist für mich tatsächlich jetzt auch heute eine neue Erfahrung. Es ist das erste Mal, dass ich mit Fagott zusammen musiziere und ist einfach ein fantastisches Instrument.
TR: Ja, ich mache ja selber sowieso viel Kammermusik, habe auch schon die letzten Jahre viel gespielt und ich finde, man merkt es immer, wenn man neue Leute kennenlernt, sofort, ob da so ein Gespür da ist, so ein zwischenmenschliches zusammen Musik machen und das, ja, das macht immer mega Spaß und das ist heute auf jeden Fall eine Offenbarung gewesen. Wir Bläser müssen natürlich atmen und ja, ich würde sagen, da Florian auf jeden Fall sehr flexibel und hört mir zu. Ja.
FA: Ich muss sagen, dass aber gerade dieses Atmen, was Tobi reinbringt, sehr viel der Musik noch hinzufügt. Das fühlt sich dann mehr so an wie ein Volkslied, auch tatsächlich was lebt, was atmet eben.
JK: Vor den Augen und Ohren des Publikums erwächst das, was den Deutschen Musikwettbewerb nun seit Jahrzehnten für Musikerinnen und Musiker unschätzbar wertvoll macht. Das Netzwerk aus Elite-Musikerinnen und Musikern mit den unterschiedlichsten Stimmen und Qualitäten und in den unterschiedlichsten Phasen des Musiklebens. Professorinnen neben Stipendiaten, die erst vor kurzem selbst ihre Förderung abgeschlossen haben und die Gesamtjury bereichern, wie der Trompeter Sandro Hirsch (SH) und der Klarinettist Lyuta Kobayashi (LK). Sie freuen sich, dazu beigetragen zu haben, wie die frisch gekürten Gewinnerinnen und Gewinner des Deutschen Musikwettbewerbs die Zukunft der Musiklandschaft in unserem Land. mitgestalten.
SH: Also, ich für mich hab mitgewirkt, auch war auch vielleicht 'ne gute Ergänzung als zu jemanden, der seine Erfahrung gemacht hat, 40 Jahre im Berufsleben zu sein, aber vielleicht auch gar nicht mehr den Bezug dazu hat, was man frisch auf der Bühne stehend als möglicherweise werdender Preisträger oder Preisträgerin. Von daher, ich glaub, das hat vielleicht 'ne Perspektive erweitert, aber die Jury ist ja eh schon sehr breit aufgestellt.
LK: Ich würd sogar sagen, dass die nächsten 2 Jahre fast zu kurzfristig gedacht sind. Also, ich würd schon sagen, in den nächsten 15 vielleicht sogar 20 Jahren, dass man dann eher rückblickend sagen kann, dass wir das heute so ein bisschen geprägt haben.
JK: Ja, 19 Stipendiatinnen und Stipendiaten, aber auch zwei Preisträger des Deutschen Musikwettbewerbs, hat die Gesamtjury gekürt.
Sprecher: Sich in die Herzen zu spielen, das haben die beiden auf unterschiedliche Weise, aber auf überzeugende Weise gemacht, so dass über 20 Juroren gesagt haben, ja, das sind sie aus dieser Gruppe der schwer zu vergleichenden Beiträge.
JK: Die höchste Wertungspunktzahl erhielten der Klarinettist Joscha Kremsler und der Cellist Konstantin Heise. Erst 20 Jahre alt ist der in Freiburg Studierende Joscha Kremsler (JoK).
JoK: Ich habe mich vorbereitet seit Herbst, würde ich sagen. Im Sommer habe ich mich auch mit meinem Professor besprochen, dass das jetzt ein guter Schritt wäre und man lernt auch immer viel, ein neues Programm und das eben hab ich mich eigentlich auch sehr naiv angemeldet mit dem Wunsch, quasi einfach mich weiterzuentwickeln und das jetzt so gut geklappt hat, ist natürlich besonders schön.
JK: Der fünfundzwanzigjährige Konstantin Heise (KH) ist schon auf der nächsten Etappe ins Berufsleben als Profimusiker. Er ist schon Stipendiat in der Karajan Akademie der Berliner Philharmoniker. Bei ihm ging es spürbar um alles.
KH: Ich weiß noch gar nicht, was ich jetzt sagen soll. Ich bin super glücklich und auch für mich der erste Finaleinzug tatsächlich und das erste Mal wirklich den Hauptpreis zu gewinnen. Und ich bin super dankbar und freu mich jetzt einfach auf die nächste Zeit, auf alles, was kommt.
JK: Die beiden Gewinner des Deutschen Musikwettbewerbs 2026 musizierten zum Abschluss mit dem Beethoven Orchester Bonn. Während Konstantin Heise befreit Dvořáks Cellokonzert geradezu überbordend interpretierte, gestaltete Joscha Kremsler Mozarts Klarinettenkonzert ganz intim. Zwei Wettbewerbswochen hätten ihn feinnervig gemacht und sein Musizieren damit tiefer.
JoK: Also, ich find vor allem in so einer Stresssituation hat man ja auch viele negative Gefühle und viel Spannung. Das hilft einem dann sogar vielleicht manchmal, das zu kanalisieren, dann und dann ist es eigentlich nur wie ein Korken, den man aus der Flasche zieht beim Spielen, dass man halt umso mehr einfach Den Gefühlen freien Lauf lässt, weil sie.
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